Pünktlich um 20Uhr setzte sich die Gruppe von Berlin/Buch aus in Bewegung. Schon nach den ersten drei Schritten dachte ich: "Oha, das wird lustig". Die (zu meist älteren!) Herrschaften hatten alle einen schnellen Stiefel an und eilwanderten durch die Nacht. Nach ca. 20km etwa, gab es eine erste Rast im Restaurant zur goldenen Möwe. Nach Pommes und Vegiburger ging es frisch gestärkt wieder durch Feld, Wald und Flur. Zeit die Gegend im Mondlicht zu betrachten blieb nicht, der Blick klebte am Boden um nach Pfützen, Wurzeln und Bodenwellen Ausschau zu halten. Tatsächlich stürzte der Herr Wanderleiter ordentlich und ich hoffte vergebens ( ist nicht so, dass er mir nicht leid getan hat) auf etwas Temporeduzierung. Aber nein, der Plan wurde minutengetreu eingehalten.
Meine Füße meldeten Alarm und ich ignorierte sie brav. Ab km 30 hörte der echte Spass auf, ich wurde stiller, lauschte auf die Gespräche anderer, ließ mich an die Hand nehmen und setzte einfach Fuß vor Fuß. Wie aus dem Nichts tauchte der heiß ersehnte Eiskeller auf, der zweite Pausenplatz. Es wartete Tee, Kaffee, Keks und ein Thermometer.
Die Polarnacht 2012 wird mit 1,5Grad in die Geschichte eingehen. Ich hockte stumm in der Runde und bekam von einem Engel Tee, einen Ausdauertraubenzuckerlutscher und irgendne Schokokaffeebohne in die Hand. Nach der Rast wieder in die Spur zukommen war nicht witzig. Die Füße brannten, die Muskeln streikten und der Stechschritt vorne blieb weiterhin gnadenlos.
Ich humpelte hinterher, suchte ein Straßenschild um dem Telefonjoker eine Adresse zu nennen, um dann dort auf ihn zu warten. Als ich meine treuen Begleiter erfolgreich von dannen geschickt hatte und so einsam in der Finsternis am Strassenschild stand, kam plötzlich etwas Kraft (ich wette die Kaffeebohne) daher. Hier rumzuwarten und zu frieren schien mir auch nicht als die Lösung, also bin ich den anderen hinterher gerannt.
Noch 8 kleine Kilometer. Der Spruch vom Wanderleiter: "Wenn man Blasen hat, läuft man eben mit Blasen."
Ok, dann also weiter. Schritt für Schritt näherten wir uns Falkensee. Schaffen würde ich es aber wie es wohl in meinen Schuhen aussieht?!
In Falkensee durfte ich dann in ein warmes Auto klettern und nach Badewanne und Schadensaufnahme gegen 8Uhr ins Bett.
Während ich das schreibe, inzwischen ist es wieder abends, wandert der Großteil der Gruppe ihrem Ziel entgegen. Das sind nämlich die ganz Harten, die sich 100km auf den Schuh geschrieben haben. Unvorstellbar! Und die ganz, ganz Harten machen das mindestens einmal im Monat.

50 km Nacht
Geführte Wanderung mit Temperaturmessung an einem Kältepol Berlins;
Tagstrecke 50 km auch selbständig nach Kartenskizze möglich
S-Bf Berlin-Buch, Ausgang Wiltbergstr. (Start 1, 20:00 Uhr) – Schönerlinde – Mühlenbeck – Bergfelde –
Mc Donalds Glienicke (21 km, Einkehr 00:00–00:40 Uhr) – Frohnau – Hennigsdorf – Nieder Neuendorfer See, Westseite – Große Kuhlake –
Eiskeller (43 km / Temperaturmessung, Erfrischungen 04:40–05:10 Uhr) – Landenge Falkenhagener See / Neuer See –
Bf Falkensee (50 km / Frühstück 06:30–07:30 Uhr)
Die Nachtstrecke (neu) bei GPSies.com: